Reise und Urlaub in der Ukraine - Dreizackreisen
deutsch francais

Startseite Dreizackreisen
Unsere Reisen in die Ukraine
Feiertage und Feste in der Ukraine
Ostern - Christi Auferstehung in der Ukraine, orthodoxe Bruche und Traditionen
Weihnachten in der Ukraine - Bruche und Traditionen
Die Geographie der Ukraine - Karpaten,Dnepr,Dnister,Bug,Steppe,Krim und Schwarzes Meer
Geschichte der Ukraine - Überblick
Die Kiewer Rus - Wiege der Nation
Galizien Wolhynien, das erste ukrainische Königreich in der heutigen westlichen Ukraine
Besiedlung und Verteidigung der mittleren Ukraine durch die Kosaken, ein Staat mit demokratischen Strukturen entsteht
Bogdan Chmelnizki - Kmpfer für die Kosaken und ihre Selbstbestimmung
Die ukrainische Nationalbewegung - eine Nation nimmt erste Gestalt an
Die Ukraine in den beiden Weltkriegen. Die Sowjetukraine
Sowjetischer Terror in der Ukraine - der Holodomor
Loslsung von der Sowjetunion - die Ukraine, ein neuer souverner Nationalstaat
Die orange Revolution - das ukrainische Volk erstreitet sich Demokratie
Geschichte der Krim,
Die ukrainischen Kosaken gestern und heute
Kulturelle Ereignisse in der Ukraine
Ukrainisches Essen, ukrainische Küche, Rezepte und Empfehlungen
Musik in der Ukraine
Schöne Nachbarn - auch die Nachbarländer der Ukraine sind eine Reise wert
Tipps für Reisen in und durch die Ukraine
Die in der Ukraine ausgeübten Religionen, Konfessionen, Glaubensrichtungen
Die Christen und das Christentum in der Ukraine
Die Juden und das Judentum in der Ukraine
Die Muslime/ Moslems und der Islam in der Ukraine
Staatliche Symbole der Ukraine
Falz-Fein, Steppe und Naturschutz - das UNESCO Biosphärenreservat in Taurien
Die Schlacht von Berestetschko
Brody, die Heimat von Joseph Roth in Galizien, Ukraine
Cherson, Zarin Katharinas Griff nach dem Schwarzen Meer
Czernowitz - Vielvölkerstadt im Vielvölkerstaat der k.u.k.
Das Donaudelta - Zufluchtsstätte der Altgläubigen (Lipowaner), Naturparadies, Eldorado für Ornithologen
Donezk, die Stadt in waldigen Hügeln in der Ostukraine
Die Donezker Schweiz, waldige Hügel und steile Felsen in der Ostukraine
Gola Pristan, der ganze Reichtum Tauriens in einer Stadt
Ivano- Frankivsk, die vielgläubige, dynamische Kunststadt in Galizien
Kamjanetz Podilski - Bastion gegen Krimtataren und Mongolenhorden
ungezhmte Naturschnheiten in einsamer Bergwelt
Kiew, Mutter der Rus - 1000 goldene Kirchen und Kuppeln
Die Krim, Urlaubsparadies am Schwarzen Meer
Lemberg - Kultur- und Wirtschaftszentrum der westlichen Ukraine
Das Goldene Hufeisen um Lemberg - Schlösser, Burgen und Klöster
Odessa - Klassizismus und Barock in mediterranem Flair
Olbia - auf den Spuren der antiken Griechen
Schlangendorf / Smijewka / Smiivka - ehemalige deutsche und schwedische Siedlungen in der Ukraine
UNESCO Biosphärenreservat Schwarzes Meer - Paradies für Tiere und Pflanzen
Tschernigow, die wunderschöne alte Stadt nördlich von Kiew
Uman, der Sophienpark (Sofiewka) und das Vermächtnis des Zaddiks Nachman
Die westlichste Stadt der Ukraine vor den Karpaten
Statistische Erhebungen über die Ukraine und die Ukrainer
Hriwna, Griwna - ukrainische Whrung, ukrainisches Geld
noch mehr Informationen und Links über die Ukraine
Wer wir sind und was wir wollen
Das sagen Andere über uns

 

Juden in der Ukraine, das ukrainische Judentum

Konfessionen und Glaubensrichtungen

Die jüdische Religion versammelte für viele Jahrhunderte große und starke Glaubensgemeinschaften in den Städten und Siedlungen der heutigen Ukraine. Bis heute erinnern Bücher, Bilder und architektonische Meisterleistungen vom Schaffen und dem großen Einfluß der Juden durch lange Zeiten.

Die ersten Juden siedeln sich im 8. und 9. Jahrhundert n.C. auf der Krim an. Es handelt sich um Karaäer und Chasaren, die aus Zentralasien und dem Kaukasus einwandern. Sie gründen auf der Krim Städte, die eine zu dieser Zeit beispiellose Kulturblüte erleben. Noch heute künden die Höhlenstädte Tschufut- Kale und Eski- Kermen von dieser Zeit.

Im Mittelalter erlebt der westliche Teil der heutigen Ukraine Einwanderungswellen jüdischer Emigranten, die vor Verfolgung und Progromen aus Westeuropa und Böhmen flüchten. Sie lassen sich in Galizien, der Bukowina und Podolien nieder, später wandern die Juden weiter bis nach Kiew und Odessa. Man läßt Juden hier siedeln, denn sie sind bekannt für hervorragende Handwerkskünste und Geschick im Handel. Sie arbeiten als Wirte, Händler, Geldleiher und Steuereintreiber. So entstehen im 16. und 17. Jahrhundert große jüdische Siedlungen, heute bekannt unter dem Begriff „Shtetl“, die noch heute unter anderem in Beltz, Lemberg, Sadagora, Czernowitz, Medzhibisch, Bratzlav, Nemirow, Ternopol , Uman und Odessa (Moldovanka) zu besichtigen sind.

Doch der Fleiß und Erfolg der Juden wird nicht von jedem geachtet, von vielen bäuerlichen Ukrainern widerfährt Ihnen Neid und Hass. Die Auseinandersetzung der Religionen findet im Zusammenleben der Christen und Juden auch hier eine starke Reibungsfläche. Anfeindungen und Gerüchte führen zu einer noch stärkeren Isolierung der jüdischen Gemeinden gegen andersreligiöse Bewohner. Neid und Hass entladen sich im 17. Jahrhundert in mehreren Progromen. Hierbei spielt der ukrainische Nationalheld Bogdan Chmelnizki eine negative Rolle, der während seines Aufstandes gegen die polnischen Fürsten auch jüdische Dörfer und Siedlungen überfällt, ausraubt und zehntausende Juden ermordet.

Trotz dieser Übergriffe wächst die jüdische Bevölkerung stetig und die jüdische Religion entwickelt sich. Neue Strömungen entstehen und geben der jüdischen Religion bis heute erkennbare Impulse. Der Chassidismus verbindet die strenge Rückbesinnung auf den jüdischen Glauben als „rotem Faden“ des persönlichen und gesellschaftlichen Lebens mit einer schwärmerischen Mystik, der Kabbala. Der Begründer dieser Bewegung, Israel Ben Elieser (Baal Schem Tow) lebte und wirkte in Brody und Medzhibisch (Medzhibosch), heute ein Wallfahrtsort der chassidischen Juden aus aller Welt.

Sein Urenkel, Rabbi Nachman von Bratzlav, gründete im Chassidismus eine weitere Strömung, indem er in das Zentrum der chassidischen Religionsgemeinschaft des Zaddik setzte, einen charismatischen Gemeindevorsteher, der ähnlich einem Messias seiner Gemeinde im Gebet eine erlösende Kraft verleihen kann. In der Vorstellung Rabbi Nachmans ist der Zaddik unsterblich und führt seine Gemeinde bis heute durch das gesprochene Wort, „denn das Wichtigste ist, was er aus dem Munde des Zaddiks hört“, auch über dessen Tod hinaus. Er lebte und wirkte u.a. in Uman, welches heute für gläubige Chassiden ein wichtiges Pilgerziel darstellt.


Buchtipp

Im 18. und 19. Jahrhundert entwickelt sich innerhalb der jüdischen Gemeinde im Kaiserreich von Österreich und Ungarn eine Reformbewegung. Angestoßen durch die Gleichstellung aller Religionen 1772 haben Juden die Möglichkeit, bedeutende gesellschaftliche Positionen einzunehmen und es setzt eine schrittweise Assimilierung der Juden in der k.u.k.- Gesellschaft ein. In deren Resultat entstehen bis in das 20. Jahrhundert neben bedeutenden kulturellen Meisterwerken in der Literatur (Paul Celan, Rose Ausländer, Alfred Gong, Selma Meerbaum- Eisinger, Moses Rosenkranz, Karl Emil Franzos, Joseph Roth). In den Städten entstehen beeindruckende Synagogen und Bürgerhäuser, jüdische Zeitungen erscheinen, populäre jüdische Schauspieler und Musiker werden in Theatern und Opernhäusern gefeiert, in Lemberg wirken bedeutende jüdische Mediziner. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts entstehen jüdische Parteien, die die Interessen des jüdischen Bürgertums vertreten. Die jüdische Bevölkerung nimmt in diesen Zeiten stark zu und erreicht Bevölkerungsanteile von bis zu 40% in einigen Städten.

Im zaristischen Reich und der nachfolgenden Sowjetunion können die Juden solche Errungenschaften und kulturellen Blüten nicht beanspruchen. Stattdessen diktiert Ihnen russischer und später sowjetischer Antisemitismus die engen Grenzen Ihres Seins.

Als die K.u.k.- Donaumonarchie nach dem Ersten Weltkrieg zusammenstürzt, beginnt in den ukrainischen Gebieten und an der einst russisch-polnischen Grenze der Kampf um die frei gewordenen Territorien. Weite Landstriche und jüdische Kulturgüter werden in diesen Kämpfen zwischen den Sowjets und den Polen zerstört. Dazwischen verüben ukrainischen Nationalisten wie Simon Petljura großflächige Progrome auf die jüdische Bevölkerung Galiziens und ermorden hunderttausende Juden.

In den vierziger Jahren überfallen die Deutschen die Ukrainische Volksrepublik und zerstören Sie systematisch jüdisches Leben. In der Schlucht von Babij Jar am Rande Kiews werden innerhalb von zwei Tagen über 30.000 Kiewer Juden ermordet. Im ganzen Land werden Juden in Massenerschießungen sofort umgebracht oder mit einer ausgeklügelten Logistik in Vernichtungslager verschleppt und dort getötet. Komplette jüdische Gemeinden werden so ausgelöscht. Der Holocaust wütet in der Ukraine bis zur Befreiung durch die Rote Armee und kostet mehr als 1,5 Millionen ukrainischer Juden das Leben. Am Ende des Krieges sind über die Hälfte der Juden in der Ukraine ermordet, geflüchtet, emigriert.


Buchtipp

Videotipp

Damit sind das jüdische Kulturleben und die reiche jüdische Tradition de facto zerstört. In der Sowjetunion, die auf die antisemitischen Tendenzen des alten Zarenreiches aufbaut, werden die Juden zwar nicht vernichtet, aber ausgegrenzt und totgeschwiegen. Der Beitrag der jüdischen Soldaten und Offiziere, die im Zweiten Weltkrieg auf seiten der Roten Armee kämpften, wird heruntergespielt. Zerstörte Synagogen werden zu Lagerräumen der Kolchosen umfunktioniert oder vollends abgerissen, deren Steine im Strassenbau verwendet. Jüdische Studenten werden nicht zum Wunschstudium zugelassen oder massiv benachteiligt, das Gleiche gilt für Juden im gesellschaftlichen Leben – es gibt sie faktisch nicht. Religionsausübung ist den sowjetischen Juden nur unter rigiden Vorgaben erlaubt. Das Resultat ist eine wesentliche Schwächung der jüdischen Gemeinde in der Sowjetunion.

Bis heute ist in der Ukraine Antisemitismus verbreitet und die pauschalen, aber simplen Negativ- Stereotypen über „den Juden“ fallen bei manchen Ukrainern auf fruchtbaren Boden. 2000 Jahre religiöse Judenfeindlichkeit und Antisemitismus lassen sich auch hier wie in vielen Teilen der Welt nur schwer bekämpfen.

Dennoch gibt es noch immer jüdische Gemeinden in vielen ukrainischen Städten. Sie wachsen, werden von Ihren Glaubensgenossen außerhalb der Ukraine unterstützt. Neue Synagogen entstehen und geben den Juden in der Ukraine wieder ein Gesicht.

Nach Angaben der ukrainischen Regierung soll die jüdische Gemeinde in der Ukraine die drittgrößte Europas sein.

 



Diese Seite bookmarken bei...

BlinkList del.icio.us Folkd Furl Google Linkarena Mister Wong oneview Yahoo MyWeb YiGG Webnews