Cherson (Kherson) - Katharinas Festung am Dnjepr

Städte und Regionen der Ukraine


Seit der Zeit Zar Peter I. betreibt Russland eine aggressive Expansionspolitik. Ziel sind dabei auch die Nordküste des Schwarzen Meeres, die Dneprmündung und die Krim. Nach mehreren Kriegen mit wechselndem Erfolg sieht das Jahr 1774 schließlich Katharina II. als Siegerin über die Osmanen. Das sich als drittes Rom verstehende Russland beherrscht nun die Mündungen von Bug, Dnepr und Don. Zur Absicherung des Eroberten werden Befestigungen angelegt, wie die Alexanderschanze auf dem rechten Dneprufer nahe der Mündung des Stroms. Dann, 1778, wird daraus auf Erlass der Zarin die Festung und Werft Cherson, Wiege der russischen Schwarzmeerflotte.

 

Von der Festung sind die prunkvollen Tore geblieben und Teile der mächtigen Erdwälle. Hinter diesen liegt die 1784 fertiggestellte Katherinenkathedrale mit ihrem klassizistischen Portikus und dem Grab Fürst Potemkins (Potjomkin), auf dessen Vorschlag die Gründung der Stadt zurückgeht. Der Name der Stadt ist vom griechischen Chersonesos auf der Krim geborgt. Wie bei dem ebenfalls in dieser Zeit gegründeten Odessa suchte Katharina hier bewusst den Bezug zur Antike.

Eine Perle des Städtebaus ist Cherson sicher nicht. Neben Festung und Katherinenkathedrale gibt es noch die griechische Sophienkathedrale aus dem Jahre 1780 und die Heilige-Geist-Kathedrale, erbaut 1836.

Eine breite Magistrale, der Uschakov-Prospekt, verbindet den hell und freundlich renovierten Bahnhof mit dem Hafen, der immerhin eine direkte Schiffsverbindung bis Istanbul anbietet. All das natürlich flankiert von Bauten im typischen Zuckerbäckerstil der Stalinära. Weiter führt der Prospekt am städtischen Markt und dem Hauptplatz vorbei, auf dem Lenin bis jetzt standhaft den Zeitläufen getrotzt hat.

Cherson ist eine Provinzstadt, wie es Hunderte gab im Reich der Zaren und dann auch in dem der Bolschewiki. Trotzdem, die Suvorovstraße, eine Fußgängerzone, lädt ein zum gemütlichen Flanieren und Shoppen. Hier reihen sich Cafes, Restaurants, Kneipen und Konditoreien. Hier spürt man am deutlichsten, dass Cherson eine Stadt des Südens ist. Da ist vor allem auch das auffallend viele Grün, die schattigen alten Bäume in den Straßen, das Weinlaub an den Fassaden und die zahlreichen Parkanlagen, die gerade im Sommer Hitze und Staub der umliegenden Steppenzone vergessen lassen.
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