Der Kemeri Nationalpark


Der Kemeri Nationalpark wurde 1997 gegründet und liegt in der Nähe der Rigaer Bucht westlich von Jurmala, einem beliebten Badeort an der Ostsee. Er ist ein beliebtes Reiseziel für passionierte Naturfreunde und Aktivtouristen. Auf gut ausgebauten Wanderwegen erkunden die Parkbesucher ein abwechslungsreiches Gelände mit idyllischen Wäldern, Feuchtgebieten und Lagunenseen.

Wanderungen durch den Nationalpark Kemeri bieten die Möglichkeit zur Entdeckung geschützter Tierarten und seltener Pflanzen, die einen wunderbaren Einblick in die faszinierende Naturlandschaft des Baltikums vermitteln. Schwarzstörche (Ciconia nigra) und Fischreiher (Ardea cinerea), verspielte Otter (Lutra lutra) oder der atemberaubende Anblick einer Herde majestätischer Wildpferde - der Nationalpark Kemeri ist ein Naturparadies von einzigartiger Schönheit.

     

    Kemeri - ehemaliger Kurort mit nostalgischer Atmosphäre

    Bereits im 18. Jahrhundert war der Ort Kemeri dank einer Reihe schwefelhaltiger Mineralwasserquellen ein beliebter Kurort. In den 1990er Jahren führte der Umbruch der Wirtschaftslage zum Niedergang der einstigen Pracht. Von der ruhmreichen Vergangenheit zeugen sehenswerte Architekturdenkmäler wie das frühere Hotel Kemeri. Das imposante Gebäude in neoklassizistischem Baustil trägt umgangssprachlich den Beinamen "Weißes Schiff" und galt Ende der 1930er Jahre als eines der modernsten Hotels in ganz Europa.

    Der malerische Landschaftspark des Ortes wurde im 19. Jahrhundert angelegt. Hier entsteht durch die sich sanft schlängelnden Pfade und die idyllischen Pavillons in Verbindung mit Kanälen und Brücken eine erholsame Atmosphäre mit einem Hauch Nostalgie. Die Schwefelwasserquelle "Eidechse" im südöstlichen Teil des Landschaftsparks gilt als eine der beliebtesten Mineralquellen in Lettland.

    Neben der orthodoxen Kirche "St. Petrus und Paulus" befinden sich auf dem Parkgelände weitere Sehenswürdigkeiten wie ein Mahnmal für die Gefallenen der beiden Weltkriege sowie ein Denkmal für die ersten Ärzte und den Gründer des Kurorts. Das Stadtmuseum in Jurmala präsentiert eine sehenswerte Ausstellung zur Vergangenheit von Kemeri. In der heutigen Zeit ist der Ort ein ruhiger Stadtteil von Jurmala, der sich wunderbar als Ausgangspunkt für einen erlebnisreichen Aktivurlaub im umliegenden Nationalpark eignet.

    Das Waldhaus - Inspiration für aktive Entdeckungstouren

    Im Gebäude eines ehemaligen Restaurants ist heute die Verwaltung des Nationalparks mit dem Naturkundezentrum "Mea maja" (Waldhaus) untergebracht. Es ist vom 1. Mai bis zum 30. September geöffnet und bietet den Besuchern zahlreiche Informationen über Wanderwege, Naturlehrpfade und mögliche Fahrradrouten sowie interessante Anregungen für Ausflüge.

    Zum weiteren Programm gehören wechselnde Veranstaltungen und Führungen wie Nachtwanderungen und Vogel- oder Fledermaus-Exkursionen, bei denen auch die seltene Teichfledermaus (Myotis dasycneme) beobachtet werden kann. Zu den hier heimischen Vogelarten gehören seltene Tiere, die bereits auf der roten Liste stehen, darunter Schwarzstorch (Ciconia nigra), Seeadler (Haliaeetus albicilla) und Grauspecht (Picus canus).

    Von Oktober bis April ist das Waldhaus geschlossen, in dieser Zeit erhalten Besucher Auskünfte über die Tourismusinformation in Jurmala. Eine der beliebtesten Wanderstrecken im Nationalpark ist die Route entlang der Grünen Düne. Bei dieser besonderen Dünenart handelt es sich um einen mit Kiefernwald bewachsenen Wall, der sich eindrucksvoll über mehrere Kilometer erstreckt.

    Neben Routen durch den Nationalpark für sportlich aktive Radfahrer gibt es auch Möglichkeiten für Kanutouren von Jaunkemeri nach Klapkalnciems.

    Kemeri Nationalpark Reisebuchtipp


    Kemeri Reiseführer


    Erkundung der facettenreichen Moorlandschaften

    Der Kemeri Nationalpark besteht aus ausgedehnten Waldgebieten sowie zu rund einem Viertel aus Sumpfflächen. Zahlreiche Naturpfade und Bohlenwege führen durch das gesamte Gebiet. Besonders eindrucksvoll ist die Entdeckungstour durch das Kemeri-Hochmoor, welches zu den größten Mooren in Lettland gehört.

    Eine bei Naturfreunden und Fotografen gleichermaßen beliebte Exkursion führt entlang eines etwa 3,5 km langen Bohlenweges, der ein ausgedehntes Moorgebiet überquert. Von einer Aussichtsplattform bietet sich ein eindrucksvoller Ausblick über die umliegende Moorlandschaft. Pittoreske Moorkiefern, fleischfressende Pflanzen und seltene Orchideenarten wie das Fleischfarbene Knabenkraut (Dactylorhiza incarnata) oder das Blutrote Knabenkraut (Dactylorhiza cruenta) sowie zahlreiche Vogelarten von Bachstelze (Motacilla alba) bis Bruchwasserläufer (Tringa glareola) und die atemberaubend schönen Sonnenuntergänge bieten fotobegeisterten Besuchern unzählige Bildmotive.

    Für kürzere Spaziergänge eignet sich der rund 1,4 km lange Rundweg, idealer Ausgangspunkt für beide Routen durch den Nationalpark ist der frühere Kurort Kemeri.

    Neben dem großen Kemeri-Moor gibt es im Nationalpark noch das Raganu Moor (Hexenmoor), das Zalais Moor (Grünes Moor) sowie den Caukciema und den Slokas Sumpf. Ein etwa 600 m langer Bohlenweg führt die Besucher durch die sehenswerte Naturlandschaft des Hochflutbetts, in dem die Schwarzerlenwälder im Frühling regelmäßig überflutet werden.

    Beobachtung der Tierwelt im Nationalpark

    Neben durchreisenden Vogelarten von Wildgans (Anser anser) bis Kranich (Grus grus) können passionierte Vogelbeobachter im Kemeri Nationalpark gefiederte Vertreter von rund 260 der 342 in Lettland heimischen Vogelarten antreffen. Im Park gibt es einige Aussichtstürme für Vogelbeobachtungen, die beliebtesten Orte sind der Kaniera- sowie der Slokas-See, der Dumbraju Pfad (Morastpfad), das Raganu Moor (Hexenmoor) und die Dunduru Wiesen.

    Mit etwas Glück können die Besucher hier neben den gefiederten Nationalpark-Bewohnern auch wild lebende Pferde und Rinder entdecken. Bei diesen Tieren handelt es sich um spezielle Rückzüchtungen, die große Ähnlichkeit mit ausgestorbenen Tierarten (Auerochse und Tarpan) aufweisen. Auch andere Wildtiere wie Elche, Rotwild, Fischotter, Biber oder Luchse sind im Kemeri Nationalpark heimisch.

    In den Abendstunden erfreuen sich die Besucher an den akrobatischen Flugeinlagen der Fledermäuse, von denen es im Nationalpark Vertreter von neun unterschiedlichen Arten gibt.

    Jurmala - beliebter Urlaubsort an der Rigaer Bucht

    Nach ausgedehnten Entdeckungstouren im Kemeri Nationalpark erholen sich zahlreiche Aktivurlauber anschließend bei einem Badeurlaub im traditionellen Badeort Jurmala an der malerischen Ostseeküste. Die Stadt liegt rund 10 km von der Hauptstadt Riga entfernt und besteht neben Sloka, Kemeri und Jaunkemeri aus zwölf weiteren Ortsteilen.

    Sloka erhielt 1878 Stadtrecht und nach der Fertigstellung der Bahnlinie Riga-Tukums entwickelten sich die am Strand gelegenen Fischerorte zu beliebten Naherholungszielen. Im Jahr 1920 wurden einzelne Orte zur Stadt "Rigas Jurmalas" (Strand von Riga) zusammengefasst und 1959 entstand nach der Eingemeindung von Kemeri und Sloka die eigenständige Stadt Jurmala.

    Sehenswert sind hier jedoch nicht nur die weißen Sandstrände, Dünen und Kiefernwälder - auch die schönen Jugendstilvillen und das Freilichtmuseum in Lielupe sowie das nahe gelegene Herrengut Slokenbek laden zu kurzweiligen Besichtigungstouren ein. Die erste urkundliche Erwähnung datiert auf das Jahr 1544 und die ersten bekannten Bewohner des Anwesens waren Angehörige einer deutsche Adelsfamilie mit dem Namen von Buttlar. In der heutigen Zeit beherbergt das Anwesen ein kleines Museum und ist eine beliebte Touristenattraktion.

    Die Umgebung von Jurmala und insbesondere der faszinierende Nationalpark Kemeri bieten eine Vielzahl an unterschiedlichen Freizeitmöglichkeiten für eine unvergessliche und aktiv gestaltete Erlebnisreise.
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