Kosaken der Ukraine. Freiheit im wilden Feld

Geschichte der Ukraine


"Stadtluft macht frei", hieß es im mittelalterlichen Deutschland. Und wer sich hinter den dicken Mauern der Städte in Sicherheit brachte, war nach Jahr und Tag aller feudalen Lasten ledig.

Im Osten war es das Grenzland, das Freiheit verhieß - die weite Steppe zwischen den großen Flüssen. Der Zar, die Bojaren, jegliche staatlichen Mächte waren fern... Hier wurden aus abhängigen Bauern, die sich unter der Knute ihrer Herren duckten und Leuten, für die das Rad schon gebaut und der Galgen schon aufgerichtet war, freie Männer, die sich auf eigenem Land eigene Gesetze gaben.

Und wie die aufständischen Geusen der Niederlande, die sich den türkischen Halbmond an ihre Mützen hefteten, um so zu zeigen, dass sie eher Untertanen des Sultans denn der spanischen Krone wären, so findet sich das Symbol der Osmanen in trauter Gemeinschaft mit dem orthodoxen Kreuz auf der Fahne der Dnepr-Kosaken.

 

Die Freiheit war ein teures Gut, das immer wieder verteidigt werden musste - erst gegen die Tataren, später gegen die anrückenden Obrigkeiten aus Polen, Schweden, Russland, denen das fruchtbare Land so gut auf die eigene Landkarte gepasst hätte.

So entstand mit der Zeit im Kämpfen und Leben eine straff organisierte Hierarchie und Struktur regionaler Kosakenverbände mit einem gewählten Hetman als oberstem Kriegsherrn und Richter an der Spitze und darunter Älteste und Oberste als Vorsteher jeder Einheit. Die Hetmans berieten und entschieden gemeinsam in der Sitsch die weitere Entwicklung, Bündnisse und Kampfzüge. Diese Struktur sicherte die notwendige Schlagkraft in der Verteidigung und die Einigkeit der Kosaken untereinander.

Bündnisse wurden mit der Zeit immer wichtiger, da die Zahl der Angreifer und die Stärke ihrer Mittel stetig zunahm. So stellten sich die Kosaken unter den Schutz des russischen Zaren, der ihnen zunächst ihre Selbstbestimmung garantierte und das Gebiet an das russische Reich angliederte. Doch sind freie Männer den Herren immer ein Dorn im Auge. Als sich die Kosaken 1708 unter Iwan Mazepa gegen Peter I. auflehnen und sich auf die Seite des schwedischen Königs schlagen, rächt sich Peter mit einem Massaker an den daheimgebliebenen Familien der Kosaken in Baturin. Katharina II. entzog den Kosaken kurzerhand ihre Sonderrechte und deportierte die Hetmans in die Verbannung.

Dieser Verlust auf Selbstbestimmung war der Beginn des Zerfalls des einstmals starken Kosakenverbandes. Von Lenin wurden sie als Feinde gejagt, deportiert und ermordet. Zur Sowjetzeit wurden sie als Angehörige einer einst privilegierten Kaste betrachtet und dementsprechend zum Gegenstand mehrerer Repressionswellen der stalinistischen Diktatur.

Ihre Rolle im 2. Weltkrieg blieb unentschieden. Manche Kosakenverbände, deren Wiederbau von Stalin verordnet wurde, kämpften unter der sowjetischen Flagge, andere schlossen sich den Deutschen Besatzern an. Die sowjetischen Kosakenregimenter wurden am Ende des Krieges aufgelöst. Die mit den Deutschen kollaborierenden Kosaken wurden später von Stalin als Feinde gejagt, deportiert und ermordet. Wer der systematischen Vernichtung entging, erhielt in den Akten einen Eintrag wie ein Brandmal - Kosake, gleichbedeutend mit vogelfrei.

Aber sie waren nicht tot zu bekommen. Der unbändige Wille zur Freiheit, auf ein selbstbestimmtes Leben konnte ihnen nicht genommen werden. Und so gibt es sie noch heute. Besser gesagt, es gibt sie wieder. Neue Kosakengruppen bilden sich, wählen einen Hetman und leben und arbeiten so demokratisch zusammen wie einst ihre Vorfahren unter Hetman Bogdan Chmelnizki und vielen anderen bekannten Kosakenführern. Sie wollen und werden einen Beitrag beim Aufbau der demokratischen Ukraine leisten.
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