Geheimtipp Vilnius

Städtereise durch Litauens eindrucksvolle Hauptstadt


Nach vielen Jahren und Jahrzehnten der Fremdbestimmung durch andere Staaten zeigt sich die litauische Hauptstadt Vilnius heutzutage weltoffener und bunter denn je. Hier treffen viele Kulturen aufeinander und auch Reisende werden in der dynamischen Metropole in der Nähe Weißrusslands herzlich aufgenommen und mit kulturellen sowie kulinarischen Leckerbissen verwöhnt. Wer Vilnius besucht, taucht ein in das moderne, pulsierende Leben und die bewegte Geschichte der nach dem Fluss Vilnia benannten Stadt ein. Eine spannende Reise an ein noch nicht vom Tourismus überlaufenes Ziel mit toller Architektur und vielen kulturellen Angeboten.

Vom Wolfsgeheul über Besatzungen bis hin zur modernen Republik - Die Geschichte von Vilnius

Vilnius kann auf eine sehr bewegte Geschichte zurückblicken, die sogar bis in die Steinzeit zurückreicht, als sich auf dem heutigen Gebiet der Stadt die ersten Menschen ansiedelten. Erste Erwähnung findet die heutige litauische Hauptstadt jedoch erst im 14. Jahrhundert. Überliefert ist, dass der litauische Großfürst Gediminas 1323 nach einem Traum von einem eisernen Wolf, auf den der Adelige auf einem Hügel am Zusammenfluss der Vilnia und Neris getroffen war und den er nicht töten konnte, die Stadt Vilnius gründete. Diese sollte ebenso wie der Wolf unverwundbar und stark sein. Gediminas warb Fachleute wie Wissenschaftler oder Handwerker an und erschuf eine gegenüber verschiedenen Nationalitäten und Glaubensrichtungen tolerante Festung.

Im Jahre 1387 erlangte Vilnius das Stadtrecht und blühte nach Errichtung einer Union mit dem Königreich Polen bis hinein ins 15. Jahrhundert wirtschaftlich und kulturell so richtig auf. Besonders jüdische Einflüsse prägten die damalige Zeit, aber auch der Buchdruck machte die Stadt zu einem wichtigen europäischen Zentrum. Nach dieser Blütezeit folgte eine lange Phase der politischen Umbrüche, in welcher Litauen und somit auch Vilnius im Jahre 1795 zunächst an das russische Kaiserreich fiel, wodurch viele Einwohner ermordet, vertrieben oder unterdrückt wurden. Zudem wurden die Universität Wilna, sowie alle katholischen Kirchen in Vilnius geschlossen. Erst durch die Bahnstrecke St. Petersburg-Warschau, die auch bis nach Vilnius reichte, sowie durch die Eröffnung einer Tabakfabrik und Erzgießerei, kam es Ende des 19. Jahrhunderts zu einem erneuten Aufleben der Stadt durch die beginnende Industrialisierung.

Nach dem ersten Weltkrieg erlangte Litauen zunächst seine Unabhängigkeit wieder, geriet jedoch ab 1920 in einen bewaffneten Konflikt mit Polen, so dass es zu Gebietsverlusten kam und nicht mehr Vilnius, sondern Kaunas die Hauptstadt des osteuropäischen Landes darstellte. Im Zuge des zweiten Weltkrieges und der Vertragsverhandlungen zwischen Deutschland und der Sowjetunion fiel Vilnius zwar wieder an Litauen. Allerdings marschierten ab 1940 etwa 150.000 Soldaten der Roten Armee in Litauen ein. Die wirtschaftliche Lage in Vilnius verschlechterte sich zusehend, da etwa Grund und Boden sowie Unternehmen durch die Sowjets verstaatlicht wurden.

1941 besetzte dann Nazideutschland Litauen und die jüdische Bevölkerung, die immerhin 40 Prozent der Population der litauischen Hauptstadt ausmachte, fiel zu großen Teilen dem Holocaust zum Opfer. Insgesamt wurden zu dieser Zeit fast 200.000 Juden in ganz Litauen getötet. Bombenangriffe ab 1940 trafen auch Vilnius, verschonten jedoch zahlreiche Bauwerke. Nach dem zweiten Weltkrieg kam es zur erneuten Übernahme der Sowjetunion, was auch in Vilnius zu Widerstandskämpfen führte, die jedoch mit Deportationen der Einwohner nach Sibirien beantwortet wurden.

Seitdem ist viel passiert und Vilnius ist heutzutage Teil einer multikulturellen und kosmopolitischen Nation, die Mitglieder der Vereinten Nationen, der NATO und der EU ist. Im Jahre 2009 wurde die litauische Metropole außerdem zur Kulturhauptstadt von Europa ernannt. Vilnius ist also dem Westen zugewandt und stets offen für neue und interessierte Besucher. Dies zeigt auch das gegenüber der Altstadt entstandene Geschäftsviertel, welches mit seinen modernen Wolkenkratzern einen interessanten Kontrast zum historischen Kern bildet.

Imposante Bauwerke und andere Sehenswürdigkeiten laden zur Sightseeingtour ein

Trotz der Besatzung und dem Beschuss der Stadt im Zuge der Weltkriege ist die Altstadt von Vilnius - wie bereits erwähnt - noch sehr gut erhalten und zeugt von verschiedensten Stilepochen ab dem 14. Jahrhundert. Sie gehört daher zum UNESCO-Welterbe und ist eine der größten Altstädte in Osteuropa. Ein imposantes Beispiel für gotische Architektur ist etwa die St. Anna-Kirche. Im Stil des Klassizismus ist dahingegen die Erzbischöfliche Kathedrale erbaut, in der zahlreiche berühmte litauische Persönlichkeiten wie der Enkel von Großfürst Gediminas oder Königin Elzbieta Habsburgaite ihre letzte Ruhestätte gefunden haben. In der historischen Stadtmauer von Vilnius ist außerdem das "Tor der Morgenröte" eingelassen. Wer durch dieses schreitet, gelangt über eine Treppe zur Ikone der Barmherzigen Muttergottes, welche angeblich Wunder vollbringen kann. Aufgrund dieses Kunstwerkes gilt das Tor als Wallfahrtsstätte für zahlreiche gläubige Menschen.

Historisch relevant ist zudem das jüdische Ghetto von Vilnius, welches sich ebenfalls in der Altstadt befand und dessen Straßen heutzutage von den Gräueltaten der Nazis im zweiten Weltkrieg zeugen. Auf dem Gebiet des früheren sogenannten "Großen Ghettos", welches zwischen 1941 und 1943 existierte, wurde das historische Bild von Vilnius wieder vollkommen hergestellt. Hier befindet sich auch das Jüdische Kultur- und Informationszentrum. Wer weiter durch die engen Gassen der Altstadt streift, wird außerdem auf die "Literaturstraße" treffen, die litauische Künstler seit 2008 mit verschiedensten Kunstobjekten verzieren, welche einen Bezug zu Schriftstellern aufweisen.

Sehenswert ist außerdem der Künstlerstadtteil Uzhupis, welcher etwas außerhalb der historischen Altstadt liegt und zahlreiche angesagte Cafés, Galerien oder Antiquitätenläden beherbergt. Uzhupis ist das Viertel der Künstler und Freigeister der Stadt und wurde von diesen sogar als eigene Republik ausgerufen, in welcher jeder das Recht hat "einzigartig zu sein" oder "nichts zu verstehen".

Einen herrlichen Ausblick über die historische Altstadt von Vilnius wird Reisenden darüber hinaus auf dem Burgberg geboten, auf welchem der Gediminas-Turm steht, welchen der namensgebende Großfürst errichten ließ. Er ist das Wahrzeichen der Stadt und verfügt über eine Aussichtsplattform, von der aus Vilnius in seiner gesamten Schönheit zu betrachten ist.

Große Persönlichkeiten der Stadt

Aus Vilnius stammen zahlreiche Söhne und Töchter, die ganz unterschiedlichen Berufsgruppen angehören. Wie die Geschichte der Stadt vermuten lässt, handelt es sich hierbei jedoch vor allem um Künstler und Wissenschaftler. So wurde etwa der Jazzmusiker Remy Filipovitch in der litauischen Metropole geboren. Dies trifft auch auf den später in Deutschland bekannt gewordenen Schriftsteller und Theaterleiter Grischa Barfuss, der an der "Deutschen Oper am Rhein" in Düsseldorf arbeitete, zu. Auch andersstämmige Berühmtheiten zog es nach Vilnius wie etwa den russischen Künstler Iwan Petrowitsch Trutnew, der an der Kunstakademie der Stadt die "Wilnaer Malerschule" etablierte.

Spannende Freizeitangebote in Vilnius

Neben einer ausgedehnten Sightseeingtour oder einem Bummel durch die engen Gassen von Vilnius, bietet die Metropole eine Menge weiterer Freizeitmöglichkeiten für ihre Besucher. Wenn sich schon mal ein Fluss durch eine Stadt schlängelt, dann drängt sich die Idee geradezu auf, diese vom Wasser aus zu entdecken. Dies dachten sich auch einige pfiffige Einheimische, die von verschiedenen Orten aus Kanufahrten auf der Vilnia oder Neris anbieten, um so Vilnius aus einer ganz anderen Perspektive zu erleben. Dies ist außerdem mit einem Heißluftballon möglich. Fahrten in luftigen Höhen werden ebenfalls von vielen unterschiedlichen Unternehmen zu erschwinglichen Preisen organisiert.

Eine einzigartige Erfahrung ist es außerdem, die Neris an einem Seil zu überqueren. Ist im Uno Kletterpark möglich, in dem Abenteurer von Baumwipfel zu Baumwipfel gelangen müssen. Wer es lieber etwas ruhiger angehen lassen möchte, kann das KGB Museum besuchen und hier eine Menge über die litauische Geschichte lernen. Es liegt am Gediminas Prospekt, der Flanier- und Shoppingmeile von Vilnius. Hier befindet sich zudem das Litauische Nationaltheater. Internationale Stücke werden vor allem in der Litauischen Nationaloper/Ballett gezeigt, welche sich im Norden des Gediminas Prospekts befindet.
vilnius, neris
nach oben