Der Wein Transkarpatiens

Land & Leute Ukraine


In Transkarpatien wird Wein seit dem 12. Jahrhundert angebaut, wie verschiedene historische Quellen berichten. Transkarpatischer Wein wurde und wird seit jeher in großen Mengen nach Warschau, Vilnius und Moskau exportiert. Peter der Große, der im Jahre 1711 im russischen Zarenreich Reformen nach preußischenm Vorbild durchführte, befahl den Kauf eines Teils der transkarpatischen Weingüter und unterstützte damit die Weinherstellung in dieser Region.

Die Tradition des Weinbaus in Transkarpatien ging auch in den zwei großen Weltkriegen nicht verloren und wurde in der Sowjetukraine fortgeführt. Im Jahre 1966 wurden die Weinsorten "Rose der Karpaten" und "Riesling Transkarpatiens" auf einer internationalen Ausstellung in Sofia mit der Goldmedaille prämiert, während der Wein "Lutschistoje" die silberne Medaille gewann. 1967 wurde der Wein "Srednjanskoje" auf der Weltausstellung in Montreal vorgestellt.

 

Dass Weine Transkarpatiens in internationalen Wettbewerben mehrmals prämiert wurden, ist kein Wunder. Sie haben ihre besonderen Qualität den hervorragenden Lagerbedingungen im Netz der unterirdischen Keller der Sredneje-Region zu verdanken. Dieses Netz von Kellern mit einer Länge von 4,5 km wurden vor circa 400 Jahren von den Osmanen errichtet, die zu dieser Zeit Transkarpatien beherrschten.

Die Weine Transkarpatiens

Die berühmtesten Weingüter in Transkarpatien sind in der Nähe von Mukatschewo, Beregowo, Uzhgorod und Winogradow zu finden. Diese sind die einzigen Regionen, in denen die besonderen klimatischen Bedingungen der Karpaten den Weinanbau erlauben. Um Wein anzubauen, sind milde Temperaturen nötig, deshalb befinden sich alle Weinberge in Transkarpatien auf den nach Süden orientierten Seiten der Berge.

Im Norden Transkarpatiens, in der Nähe von Uzhgorod, werden hauptsächlich die Rebsorten "italienischer Riesling" und "Leanka" angebaut. Damit werden hier die bekannten Tafelweine "Beregiwske" und "Seredrnjanske" hergestellt. Außerdem werden jedes Jahr die besten Trauben gesammelt und für die Herstellung von Schaumwein benutzt.

Die Region von Serednje hat den Ruf, die besten Weine Transkarpatiens herzustellen. Die dort befindendlichen Weinberge sind am Fuß der Berge vor kalten Winden besonders geschützt. Dort werden nicht nur die Rebsorten "Traminer" und "Leanka", sondern auch "Furmint", "Lindenblättriger" und "italienischer Riesling" angebaut. Mit dem rosaroten Traminer wird der Markenwein "Trojanda Sakarpatya" hergestellt. Die Rebsorten Furmint und Lindenblätter werden für die Herstellung des "Tokajer"-ähnlichen Markenweins "Sakarpatskje" benutzt. Der italienischen Riesling und die Leanka werden ebenso für die Herstellung der Tafelweine "Beregiwske" und "Seredrnjanske" benutzt.

Bemerkenswert ist, dass nicht-europäische Rebsorten, zum Beispiel "Noa" und "Isabella" in der Nähe von Mukatschewo angebaut werden. Aus der Noa-Rebe wird der sehr beliebten Dessertwein "Irschawske" hergestellt. Die hier hergestellten Tafel- und Dessertweine wecken außerdem das Interesse vieler ukrainischer Weinexperten, da sie als eine Art Norm für zukünftige neue Weine betrachtet werden. In der Region von Beregowo werden unterschiedliche Rebsorten angebaut, die für die Herstellung von Tafel- und Dessertweine sowie für Schaumweine verwendet werden. Die Zuckerrate in den Trauben kann dort dank der besonderen sonnigen Lage bis 25-27% betragen.

In der Region nah Winogradow werden Leanka, Traminer, Müller-Thurgau sowie Isabella, Delaware und Aurora-Rebsorten angebaut.

Herstellung des Weins

Nach der Lese werden die Weintrauben gepresst und der Saft wird in speziellen Fässern bewahrt. Nach einem halben Jahr wird die oberste Schicht abgenommen und der zukünftige Wein wird in Eichenfässer umgelagert, wo er längere Zeit aufbewahrt wird. In jedem Fass darf nur eine Weinsorte aufbewahrt werden. Je älter das Fass ist, desto besser ist es für für die Aufbewahrung des Weines geeignet.

In Transkarpatien werden heutzutage über 100 Weinsorten hergestellt. Auch wenn neue Rebsorten jedes Jahr in der Region angebaut werden, sind seit mehreren Jahren einige wenige Sorten dominant und werden für die Herstellung von Markenweinen verwendet. Bei Weinverkostungen werden hauptsächlich sieben transkarpatische Weinsorten angeboten, zumeist die königliche Leanka, der Schwarze Doktor, der Tokajer Furmint, der Kagor, der Saperawi und zwei weitere Weiß- oder Rotweinsorten. Die Weißweine Transkarpatiens haben einen delikaten Geschmack und sind leicht aromatisiert. Die Rotweine sind ebenso süß und leicht aromatisiert. Sie unterscheiden sich jedoch von den Krimweinen durch einen geringeren Tanningehalt und einen leichteren, fruchtigeren Geschmack.

Auf dem internationalen Weinmarkt herrscht heutzutage ein starker Wettbewerb zwischen der alten (französischen) und neuen (USA, Chile, Argentinien, Uruguay, Südafrika) Welt. Um wettbewerbsfähig zu bleiben, haben osteuropäische und damit auch die transkarpatischen Weinhersteller damit begonnen, neue Technologien wie die malolaktische Gärung anzuwenden.

Im Verkostungssaal "Chardonnet", der sich im historischen Stadtzentrum von Uzhgorod befindet, haben Sie die Möglichkeit, die sechs wichtigsten Weinsorten Transkarpatiens zu probieren. In Beregovo lohnt sich die Besichtigung des Verkostungssaals "Staryj Podwal" (der alte Keller), ein kleines aber gemütliches Lokal mitten in den Bergen, wo ausschließlich süße, in Eichenfässern aufbewahrten Markenweine angeboten werden, die alle mit historischen Rebsorten der Region Beregowo in traditioneller Weise hergestellt wurden. Bei der Verkostung informieren Sie sich über die Weinherstellung und probieren Sie Weinsorten, die sich in Körper, Geschmack und Farbe deutlich voneinander unterscheiden.

Andere Verkostungssäle sind noch in Janoschi und Schosch zu finden, wo die Angebotspalette über 10 Sorten selbstgemachten Weins beinhaltet.

In Transkarpatien finden jährlich im Herbst mehrere Weinfestivale und Weinfeste statt, zum Beispiel das "Sakarpatskoe Beaujolais"-Festival und das Festival des roten Weins.

Gesamtfläche der Weinfelder in Transkarpatien

Transkarpatien hat eine Fläche von ca. 1.275.500 ha. Von dieser Fläche werden 34,7% für die Landwirtschaft und davon circa 1,1% (4.830 Ha) für den Weinanbau benutzt.

95% dieser Fläche wird für die Anpflanzung von Trauben genutzt, die für die Herstellung des Weins benutzt werden, während circa auf 5% Tafeltraubensorten angebaut werden.
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