Die Entstehung und Geschichte der ukrainischen Nation


Die eigentliche Geschichte der Ukraine beginnt mit der Entstehung slawisch sprechender Völker in den ersten Jahrhunderten der christlichen Zeitrechnung.

Die ersten Spuren menschlicher Aktivitäten in den Gebieten nördlich des Schwarzen Meeres aber sind viel älter. Sie reichen vielleicht zurück, so sicher ist man sich da noch nicht, bis in die ältere Altsteinzeit - das ist noch vor dem Auftreten des Neandertalers.

Damit haben wir einen Zeitraum von weit über 100.000 Jahren, während dessen sich ein Teil der menschlichen Geschichte, und oft nicht der unwesentlichste, hier abspielte.

     

    882 Nach der Nestorchronik Jahr der Vereinigung von Kiew und Nowgorod durch den Rjurikiden Oleg. Kiew wird Hauptstadt und "Mutter aller Städte der Rus" (Kiewer Rus)
       
    955 Fürstin Olga, Regentin der Rus seit dem Tod ihres Mannes Igor, lässt sich in Byzanz taufen.
       
    962-972 Regierungszeit Swjatoslaws, Olgas Sohn, der als erster Herrscher einen slawischen Namen trägt
       
    1070 Adam von Bremen erwähnt Kiew als bemerkenswerte östliche Hauptstadt
       
    Dezember 1240 Eroberung Kiews durch den Mongolenchan Batu
       
    1349 Kazimierz III. von Polen besetzt die Gebiete zwischen Lemberg und Brest. Ende des Fürstentums Galizien- Wolhynien
       
    2. Hälfte 15. Jahrhunderts Entstehung des Saporoger Kosakenstaates aus der Insel Chortizja im Dnjepr
       
    1567 Diakon Iwan Fedorow aus Moskau richtet in Zabludiw die erste Druckerei in der Ukraine ein
       
    1595 Bogdan Chmelnizki wird geboren
       
    1654 Der Vertrag von Perejaslaw (1654) verbündet die Kosaken mit Rußland und gilt als Aufgang der ukrainischen Nation in der russischen
       
    1772 Galizien gerät unter österreichische Herrschaft
       
    1783 Gründung von Jekatarinoslaw, heute Dnjepropetrovsk
       
    1794 Gründung von Odessa
       
    1798 Die "Eneida" von Ivan Kotljarewskij (1769-1838), das erste Buch in ukrainischer Alltagssprache, erscheint
       
    1814 Taras Schewtschenko, der große ukrainische Nationaldichter, wird geboren
       
    1834 Gründung der Kiewer Universität
       
    1856 Der Dichter Iwan Franko wird geboren
       
    1861 Aufhebung der Leibeigenschaft durch Zar Alexander II.
       
    11. Februar 1918 Erste Einnahme Kiews durch bolschewistische Truppen im Ersten Weltkrieg
       
    1. März 1918 Die Mittelmächte besetzen Kiew und setzen die Zentralrada wieder ein
       
    1932 und 1933 Zwangskollektivierung und Dürre verursachen eine entsetzliche Hungerkatastrophe und fordern 4 bis 6 Millionen Opfer in der Ukraine
       
    März 1938 Russisch wird Pflichtfach an den ukrainischen Schulen und Universitäten
       
    21. Juni 1941 Überfall der Nazideutschlands auf die Sowjetunion. Deutsche Soldaten marschieren in der Ukraine ein.
       
    29. September 1941 Beginn des Massakers an den Juden in der Schlucht von Babi Jar (Babyn Jar)
       
    Februar 1954 Die Halbinsel Krim, vormals Bestandteil der RSFSR, wird durch Dekret Bestandteil der Ukraine.
       
    Januar/Februar 1972 Repressionswelle in der Westukraine, namhafte Regimegegner, darunter Iwan Dzjuba, werden inhaftiert
       
    26. April 1986 Reaktorunfall im AKW Tschernobyl
       
    Juni 1988 Koordinationskonferenz baltischer, kaukasischer und ukrainischer Oppositioneller in Lemberg (Lviv)
       
    September 1989 Gründung der "Volksbewegung der Ukraine für die Perestrojka" (Ruch)
       
    16. Juli 1990 Souvernitätserklärung durch das ukrainische Parlament mit großer Mehrheit
       
    24. August 1991 Die Ukraine erklärt ihre Unabhängigkeit von der Sowjetunion. Leonid Krawtschuk wird erster Präsident der Ukraine.
       
    31. Mai 1997 Die Präsidenten Russlands Jelzin und der Ukraine Kutschma erkennen gegenseitig die gemeinsamen Grenzen an. Darunter fallen auch die Halbinsel Krim und der Hafen Sewastopol als Eigentum der Ukraine.
       
    Januar 2004 Die Oppositionsbewegung PORA - "Es ist Zeit" nimmt ihre Aktivitäten zum Sturz Kutschmas auf.
       
    21. November 2004 Orange Revolution - Nach der Stichwahl der Präsidentschaftswahlen wird Wiktor Janukowitsch zum Sieger erklärt. Für die Opposition Zeichen zum Beginn des offenen Widerstands.
       
    27. November 2004 1,5 Millionen Menschen versammeln sich im Zentrum Kiews und fordern die Wiederholung der Wahlen.
       
    26. Dezember 2004 Wiktor Juschtschenko wird mit 51,9 % der Stimmen Sieger bei der durch das Oberste Gericht angeordneten Wiederholung der Stichwahl.
       
    25. Februar 2010 Wiktor Janukowitsch kann sich in der Stichwahl gegen Julia Timoschenko durchsetzen und wird 4. Präsident der Ukraine.
       
    November 2013 Mit der verweigerten Unterschrift unter das Assoziierungsabkommen mit der EU löst Präsident Janukowitsch weitreichende Proteste in der Ukraine aus, die in den blutigen "Euromaidan" münden.
    Dazu unternimmt der große Nachbar Russland massive Anstrengungen, die Ukraine zu spalten und nutzt dabei die Dualität aus ukrainischer und russischer Sprache im Land. Es beginnt eine unvorstellbare Propagandaschlacht, die große Teile der Bevölkerung in proukrainische und prorussische Bürger spaltet und dramatische Risse durch Familien, Liebespaare, Freundesgruppen, Arbeitskollektive nach sich zieht.
       
    März 2014 Nachdem die russische Propaganda bei einem großen Teil der russischsprachigen ukrainischen Bevölkerung für Verunsicherung gesorgt hat, besetzen am 27. Februar bewaffnete Freischärler das Krimparlament und stürzen die bis dato gewählte Regierung der Krim. Parallel dazu tauchen sogenannte "grüne Männchen" auf, bewaffnete Uniformierte ohne Hoheitszeichen, und besetzen alle strategisch wichtigen Punkte auf der Krim. Die neu eingesetzte Regierung fordert den Anschluß der Krim an Russland, führt dazu ein sogenanntes "Referendum" durch, welches bis heute durch kaum einen Staat der Erde anerkannt wird.
    In einer Nacht- und Nebelaktion wird dieses "Referendum" durch Russland angenommen und die Krim in den russischen Staatsverband überführt.
    Die Annektion der Krim wird bis heute als Bruch des Völkerrechts wahrgenommen und von der Mehrheit der Uno- Mitglieder nicht anerkannt. Die EU und die USA fordern von Russland die Rückgabe der Krim an die Ukraine und haben Wirtschaftssanktionen gegen Russland verhängt.
       
    April 2014 In mehreren Großstädten der östlichen Ukraine finden schon seit November 2013 Demonstrationen verschiedener Gruppen statt, die sich teils für einen proukrainisch/proeuropäischen Weg und teils prorussisch bekennen. Im April besetzen einige prorussische Demonstranten in Donezk und Lugansk Verwaltungsgebäude und Polizeistationen, so gelangen diese Demonstranten auch an Waffen. Als die Übergangsregierung in Kiew zur Lösung der Krise die ausgeblutete und unerfahrene Armee einsetzt, eskalieren der Konflikt und es brechen bewaffnete Kämpfe aus, die in einen bis heute geführten Krieg münden. In diesem Krieg unterstützt Russland die Separatisten, die die von Ihnen beherrschten Gebiete an Russland anschließen wollen, militärisch und logistisch. Bis 2017 hat der Krieg in der Ostukraine mehr als 10.000 Menschleben gekostet.
       
    07. Juni 2014 Nachdem sich Janukowitsch nach Russland abgesetzt hat und das Land von einer Übergangsregierung geführt wurde, finden in der Ukraine Neuwahlen statt, aus denen Unternehmer Petro Poroschenko als neuer Präsident hervorgeht. Er muss das vom Janukowitsch- Clan ruinierte Land zurück auf eine solide wirtschaftliche Entwicklung bringen, die Forderungen der proeuropäischen und prodemokratischen Aktivisten erfüllen und den Konflikt in der Ostukraine lösen.
    Er stößt eine ganze Reihe demokratischer Reformen in der Ukraine an, die von EU und USA unterstützt werden, allerdings ab 2016 an Schwung verlieren, was sowohl von der ukrainischen Bürgerbewegung wie auch den europäischen und amerikanischen Partnern zunehmend kritisch bewertet wird.
    Daneben schwelt der Krieg in der Ostukraine weiter und das Verhältnis zu Russland verschlechtert sich zusehends. Friedensinitiativen wie das Minsker Abkommen und der Einsatz von OECD- Beobachtern können bis 2017 nicht zu einer Befriedung des Konfliktes beitragen.
       
    17. Juli 2014 Der Malaysia Airlines Flug MH17 wird über der Ostukraine abgeschossen. Hierbei kommen alle 298 Insassen, darunter viele Kinder, ums Leben. Die Maschine überfliegt ein im Rahmen des Ukrainekonfliktes umkämpftes Gebiet, welches zu diesem Zeitpunkt von ukrainischen Separatisten und russischen Unterstützern kontrolliert wird. Eine Teilsperrung des Luftraumes gilt nicht für Passagierflugzeuge, da diese im Normalfall in einer Höhe von über 10000 Metern verkehren. Die Sperrung reicht jedoch nur bis zu einer Höhe von rund 9700 Metern. Aufgeklärt ist bereits, dass das Flugzeug von einer in der Sowjetunion entwickelten BUK-Rakete zerstört wurde. Im Rahmen von internationalen Strafuntersuchungen wird zudem ermittelt, dass die Rakete von Russland in das ukrainische Perwomaiskij gebracht und dort abgeschossen worden sei. Der Abschlussbericht einer internationalen Untersuchungskommission aus dem Jahre 2015 nennt dahingegen keine Verantwortlichen. Russland jedenfalls streitet jegliche Beteiligung ab.
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