Kertsch, antike Handelsmetropole zwischen Schwarzem und Asowschen Meer

Krim


Kertsch gehört zu den "Ewigen Städten" der Erde, so wie auch Athen, Rom oder Neapel. Mit seinen antiken Denkmälern und der mittelalterlicher Architektur zieht es jedes Jahr viele Touristen an.

Auf der Krim gibt es viele altertümlicher Städte und Siedlungen. Kertsch ist mit 26 Jahrhunderten eine der ältesten von ihnen. Hier, an der östlichen Küste der Krim gründeten Siedler aus der ionischen Stadt Milet im 7. Jh. v. u. Z. die Siedlung Pantikapaion. Diese erste Handelsfaktorei wurde bald zur größten Stadt im Osten der Krim.

Die Vorgänger der antiken Griechen waren die Skythen, wilde Stämme aus der Spätbronzezeit, die zwischen dem 8. und 7. Jh. v. u. Z. die Kimmerier (Kimmerer) zurückgedrängt hatten. Eine ganze Reihe von archäologischen Funden dokumentieren das Leben der Kimmerier und Skythen auf der Halbinsel Kertsch: Gräber und Grabbeigaben, Haushaltsgegenstände, Waffen.

 

Die Entstehung des griechischen Pantikapaion bezeichnet den Beginn der Kolonisierung der Krimküste. Um die Stadt herum entstehen andere Städte wie Taritaka, Mirmekij oder Nimfej, die im Jahre 480 v. u. Z. zur Stadt Bosporos vereinigt werden. Den Namen erhält die Stadt nach der antiken Bezeichnung der Meeresenge von Kertsch – dem "Kimmerischen Bosporos".

Der Stadtkern Pantikapaion hat zu diesem Zeitpunkt schon die höchste Blüte und politische Macht auf der Krim erreicht. Auf den Hügeln entstehen prächtige Paläste, bedeutende Kathedralen und reich verzierte öffentlichen Gebäude. So entwickelte sich Pantikapaion zu einem großen Kultur-, Kunst- und Handwerkszentrum. Darüber legen heute zahlreiche Funde aus Edelmetallen, Schmuckwaren, einzigartige Skulpturen und Denkmäler ihr Zeugnis ab.

Im 2 Jh. v. u. Z. regierte in der Stadt Bosporos König Mithridates VI., genannt Eupator Dionisos. Er nutzte die Zeit seiner Regierung für Bündnisse mit griechischen Siedlungen an der Nordküste des Schwarzen Meeres, etwa Olbia und Chersones. Ihnen garantierte er Schutz und militärischen Beistand gegen die Übergriffe der Skythen. Durch Eroberungen skythischer und römischer Siedlungen errichtete er ein ausgedehntes Imperium (Bosporanisches Reich), das sich vom Nordrand des Schwarzen Meeres zeitweise bis nach Kleinasien erstreckte. Sein Aufstieg zum Herrscher des Bosporanischen Reiches führte auch die Stadt Bosporos zu ökonomischer und kultureller Blüte.

Doch Rom wehrt sich gegen die ambitionierten Expansionspläne des kleinen Emporkömmlings im Osten. In drei, den "Mithridatischen" Kriegen, kämpfen die Römer gegen die vereinten Bosporaner und Pontiker. Der geballten Streitkraft der Römer kann die Allianz nicht genug Widerstand leisten und die griechische Armee wird vernichtet. Mit dem Niedergang des König Mithridates VI. endet auch die Blüte des Bosporanischen Reiches. Am Ende wird Bosporos von Gothen und Hunnen überrannt und fast vollständig zerstört.

Zum Ende des 8 Jh. gerät die Stadt unter den Einfluß der Kiewer Rus. Die Stadt wird nun mit dem Namen Kortschew erwähnt. Sie spielt eine wichtige Rolle im Fürstentum, wird zur Drehscheibe zwischen den Handelswegen von der Rus in den nahen Osten und nach Byzanz, von Westeuropa in den Kaukasus. Zu dieser Zeit wird auch die Kirche von Ioan Predtechi gebaut, die sich bis unsere Zeit erhalten hat. Die Stadt wird die Pforte des Staates zum Schwarzen und zum Azowschen Meer und deren Anrainern.

Vom 13. Bis in das 17. Jahrhundert wurde die Stadt abwechselnd von Tataren, Genuesern und Türken besessen.

Im 2. Weltkrieg wurde Kertsch schwer zerstört. Mehrfach wurde die Stadt von deutschen Truppen und der Sowjetarmee eingenommen und verloren. Als die Wehrmacht im Mai 1942 erneut die Stadt erobert, gelingt einigen tausend sowjetischen Soldaten keine Flucht mehr, sie verschanzen sich in einem Bergwerk nahe der Stadt und verteidigen diese Stellung bis zum letzten Mann. Obelisken und Denkmäler zeugen von den grausamen Kämpfen um Kertsch. Die Stadt erhält nach dem Krieg von der sowjetischen Führung den Ehrentitel "Heldenstadt".

Das heutige Kertsch hat das Fläche 108 km und die Lange -52km. Die Stadt ist ein wichtiges Industrie-, Wissenschafts- und Kulturzentrum der Krim. Große Teile der Innenstadt wurden zum historischen Reservat erklärt.

Das wichtigste Museum von Kertsch ist das historisch- archäologische Museum. Hier befinden sich einzigartige Funde von Ausgrabungen aus der Epoche des Bosporanischen Reiches. Die Ausstellung umfaßt verschiedene historische Handwerksgeräte, Schmuckgegenstände, Manuskripte, Gegenstände des täglichen Lebens.

In der Bildergalerie sind die Gemäldeausstellung und die Skizzen von N. But vertreten. Wechselnde Ausstellungen geben einen Überblick über die bildende Kunst in dieser Region.

Der Berg Mitridat, der wohl bemerkenswerteste Ort der Stadt, ist das Zentrum der altertümlichen Geschichte von Kertsch. Auf diesem Berg werden schon seit vielen Jahren immer wieder erfolgreiche Ausgrabungen durchgeführt und unter anderem Reste der antiken griechischen Siedlung Pantikapaion gefunden. Auf den Gipfel des Hügels führt eine grosse Freitreppe, die mehr als 400 Stufen zählt. Vom Gipfel hat man einen weiten Blick über die Ostkrim, die Meerenge bis hinüber nach Russland.

Die Johann Predtechi Kathedrale gehört zu den altertümlichsten Denkmälern des frühen Mittelalters in der Ukraine. Im byzantinischen Stil gebaut, gehört sie zu den besonders sehenswerten Architekturdenkmälern der Stadt. Bis zum heutigen Tage wird die Kathedrale für Gottesdienste und Kirchenfeste genutzt.

In und um Kertsch befinden sich sehr viel Kurgane, weit sichtbare Hügelgräber aus der Zeit der Skythen. Diese Grabstätten entsprechen in ihrer Bestimmung den ägyptischen Pyramiden, auch in ihnen wurden Menschen mit vielerlei Grabbeigaben beigesetzt. Der größte Kurgan nach Kertsch ist der sogenannte Zarenkurgan, in dem einst vermutlich ein Anführer eines skythischen Stammes beerdigt wurde.

Im Jahre 1830 führten Archäologen Ausgrabungen im Kuhl-Oba Kurgans durch und fanden in der Gruft die sterblichen Überreste eines Skythen -Anführers. Der Herrscher war zusammen mit seiner Frau und den Sklaven begraben worden.

Eine weitere interessante Sehenswürdigkeit in Kertsch ist die antike Gruft der Demeter, der griechischen Göttin der Fruchtbarkeit) zu beschauen. Sie ist ein einzigartiges Denkmal aus dem 1 Jahrhundert v. u. Z. An den Wänden der Gruft sind u.a. Darstellungen der Figuren von Hermes, Pluton, der Nymphe Kalipso erhalten geblieben.

Nicht weit von Kertsch entfernt liegt die ehemalige türkische Festung Yeni- Kale, ein gut erhaltenes Zeugnis osmanischer Festungsbaukunst an der Küste der Strasse von Kertsch. Der Bau der Festung wurde in 1703 beendet und konnte bis zu 1.100 Soldaten aufnehmen. Sie galt zu ihrer Zeit als unzerstörbar. Die Größe der Festung und ihrer zugehörigen Gebäude erlaubte die Einrichtung eines Badehauses für die Soldaten und einer Moschee. Die Türken verliessen die Festung 1774, als Yeni- Kale mit der Übergabe der Krim an das russische Reich ihren militärischen Zweck verlor. Noch heute zeugen gewaltigen Aussenmauern von der Kampfkraft der Festung, vom Mauerfirst hat man einen weiten Blick über Meerenge von Kertsch.

In der Nähe der Hafenstadt kann man Spuren früherer deutscher Siedlungen besichtigen. Früher existierten die ganzen Siedlungen, in denen nur die Deutschen wohnten, zum Beispiel in Mariental ( das heutige Gornostaiwka ). Im 18. Jahrhunderte förderte die russische Zarin Katharina II die Übersiedlung deutscher und schweizerischer Bauern und Handwerker auf die Krim. Die Deutschen waren bekannt als sehr gute Landwirte. Ihre Tätigkeit gab der Wirtschaft und der technischen Entwicklung des Russischen Reiches wichtige Impulse.
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